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Veröffentlicht am 06.05.2017 von nemesis

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Portrait Somnifere

Somnifer zum Album Audioporn

Unter dem Begriff Neo Thrash-Metal kam einem dieser Underground-Rundling in die Hütte geflogen. Schön genug, wenn man sich vorstellen kann, was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt. Noch schöner zu wissen, dass die eigentliche Bedeutung nicht so ganz auf Somnifere zutrifft. Ein bisschen neo, weil kreativ: Ja. Ein bisschen Thrash ist auch dabei. Die Elektro-Einflüsse und Gothic-Elemente fanden sich im Stil der Band aus Worms allerdings auch zur Genüge, was auch Schlagzeuger Carsten Behring anmerkte.

„Die Vergleiche mit manchen US-Thrash-Bands wie Fear Factory waren nicht unsere Idee, sondern die unseres Labels damals. Das Riffing geht schon ein wenig in dieser Richtung, aber zum Teil locken diese Vergleiche die Hörer auf eine falsche Fährte. Unseren Stil kann man sicher stellenweise als Thrash bezeichnen, allerdings lassen sich unsere Gothic-Roots auch nicht verleugnen. Die düsteren Elemente sind manchmal noch sehr stark zu spüren, im Proberaum war uns das allerdings nicht so sehr aufgefallen, erst als wir das Demo aufnahmen. Es komplettiert aber in meinen Augen die Stücke. Die Richtung, mit der wir begonnen haben, tendierte eher zu Bands wie Tiamat, Anathema und Sentenced.“

Solange es homogen bleibt

Ob diese Roots auch dazu führten, dass Somnifere als Manager Markus Jüllich, Drummer von Crematory, hatten? Na, sei´s drum. Wie Carsten zugab, hatte die Band bei den Arbeiten beim ersten Demo festgestellt, dass nicht das komplette Material in diese Richtung gehen würde. „Es gab allerdings damals keine Diskussionsrunde, wie wir anders verfahren sollten. Es hat sich aus den Songs heraus entwickelt. Wenn ich merke, dass Material zu einseitig wird, versuche ich etwas daran zu ändern. So viele Einflüsse wie möglich unter einen Hut zu bringen ist mir persönlich sehr wichtig. Solange es auf eine homogene und sich ergänzende Art geschieht.“

Und gleich schloss der Wormser an, dass die Tatsache, dass sich bei aller Bemühtheit um Balance keine Ballade auf der Platte finden ließ, weshalb man aber nicht darauf schließen sollte, dass die Band kein Gefühlsleben besitzt. „Gefühle sind bei unserer Musik auch ein sehr wichtiger Bestandteil. Der Song ‚Private Taste‘ etwa zeigtE hiervon eine ganze Menge. Er stammt aus der Zeit, in der es bei uns nicht richtig vorwärts ging, keinen Plattenvertrag hatten und einfach ein wenig resignierten.“

Anspruchsvoll und eingängig – eine Krux

Selbst bevorzugt Carsten auch Musik, die vielschichtig ist, aber doch auch schnell ins Ohr geht. Wie man oft sieht, ein recht schwieriges Unterfangen. „Was hilft es, wenn eine Platte noch so anspruchsvoll ist, sie aber keiner versteht? Die Songs sollen ja nicht verstauben. Die Hörer haben im Normalfall einfach wenige Möglichkeiten, sich mit vielschichtiger Musik zu beschäftigen, daher fehlt Vielen in dieser Hinsicht auch die Übung. Das Vermögen, Musik richtig zu hören, geht leider so verloren. Man sollte sich ein paar Minuten einige Songs intensiv anhören, als massenhaft sinnlosen Input in sich hineinzustopfen.

Und unsinnige Mucke gibt es in der heutigen Zeit leider zuhauf. Anathema sind für mich ein gutes Beispiel, einer spannenden aber auch simplen Band. Die Jungs haben die richtige Mischung einfach drauf. Wenn ich mir dagegen so Pop-Verschnitte anschaue – dieser Billig-Auf-die-Schnelle-Dumm-Pop, den jeder sofort mitsingen kann und bei dem Doofheit noch hofiert wird: So blöd – Entschuldigung – können doch nur die Deutschen sein. Ich will die Deutschen sicher nicht abstempeln, in den USA läuft auch eine Menge Scheiße den Radio rauf und runter. Aber eben nicht nur.

Stagnieren die Medien?

Ich habe langsam den Eindruck gewonnen, dass sich die Medien in manchen Ländern einfach nicht weiter entwickeln. Gerade für neue Bands ist es sehr schwierig, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Der Musikmarkt ist in erster Linie vollgestopft mit Sachen, die keiner braucht.“ Wenigstens ist mal für die Quote ein Pseudo-Rocker oder sowas dabei.

„Klar, manchmal ist das ist keine schlechte Musik. Nur werden solche Platten, die aus solchen Sendungen heraus bekannt werden, wohl in erster Linie gekauft, weil er mittlerweile bekannt ist und nicht, weil die Käufer allesamt auf Qualität achten.“ Sache, aber wahr. Aber vielleicht bringen gerade manch bekannte Gesichter, wie auch Thomas Gottschalk mit What Happened To Rock´n´Roll seinerzeit, den Kids und denen, die es geistig geblieben sind und während der Hausarbeit oder beim Faulheits-Feierabend-Bier BB gucken, wieder ein wenig Sehnsucht nach handgemachter Musik bei.

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