Interviews

Veröffentlicht am 09.10.2015 von nemesis

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Interview Taraxacum

Taraxacum zur ersten Scheibe

Keine Erwartungen – keine Enttäuschungen

So könnte man in etwa damals die Ausgangsposition von Taraxacum beschreiben, als Edguy-Basser Tobias Exxel und Ex-Suqealer-Drummer Frank Wolf die Band ins Leben riefen. Mit einen 4-Track-Demo konnten die Jungs mächtig Staub aufwirbeln, und so dauerte es auch nicht lange, bis Taraxacum bei einem Label unter Vertrag standen. Das Debut nannte sich Spirit Of Freedom und die Resonanzen der Presse auf das erfrischende Werk waren allesamt positiv.

„Eigentlich haben Frankie und ich damals nur sinnlos drauflosgemacht. Es besteht schon ein großer Unterschied zu unseren Heimatbands Edguy und Squealer, was aber auch Sinn der Sache ist. Dass wir mit Spirit Of Freedom die Platte des Monats beim italienischen Metal Hammer liefern würden, so wie es passiert ist, hatten wir sicher nicht gedacht“, plappert Tobias drauflos. Wie bereits auf dem Demo zu entdecken war, ist zwar der Stil von Taraxacum an sich schon mit einem Wiedererkennungswert verbunden, doch sind auch auf dem Longplayer die Songs untereinander sehr verschieden und abwechslungsreich geraten.

Underground aus dem Bauch

„Wir wollten diese Richtung konsequent weiterverfolgen. Was hilft es, einen eigenen Stil zu haben, wenn man im Endeffekt immer wieder den gleichen Song schreibt. Unsere Songs kommen allesamt aus dem Bauch. Es gibt schon einige Leutchen, die angesichts unserer anderer Betätigungsfelder nicht so ganz nachvollziehen könne, weshalb wir hier nicht mit einer Power Metal-Band am Start sind.“ Dass allerdings Ideen bewusst umgebaut werden, um unkonventionell zu wirken, ist bei Taraxacum nicht der Fall. „Songs kann man auch ohne Instrumente schreiben. Auf dem Klo, beim Duschen, Haareföhnen… Ideen kommen eben wie sie wollen.

Viele Einflüsse und auch mal Jazz

Sicher basteln wir auch an unseren Stücken herum, um das Bestmöglichste herauszuholen. Allerdings haben wir nie etwas bewusst geändert, weil sich vielleicht ein Stück mal zu sehr nach unseren anderen Bands, wie auch Steel Prophet von unserem Sänger Rick Mythiasin, anhörte. Mal wurde das Material eben härter, was wir auch wollten, andererseits auch wieder softer. Wir haben uns selbst absolut nicht limitiert und es finden sich auch viele Elemente aus anderen Musikrichtungen, wie zum Beispiel Jazz. Uns war es in erster Linie wichtig, eine breitgefächerte Musik an die Leute zu bringen, aus der man alle Einflüsse und Vorlieben von uns heraushören kann. Von Deep Purple bis Slayer, Klassik und Jazz.“

Braucht alles einen Namen?

Tja, dass die liebe Presse angesichts der Fülle an stilistischen Feinheiten bei der Rezension dieser Scheibe ab und an in Erklärungsnot kommen kann, war klar. „Hihi, ja, stimmt schon. Andererseits: Muss immer allem einen Namen geben? Man sollte in der Lage sein, sich nach dem Lesen eines Reviews etwas unter der jeweiligen Platte vorstellen zu können, aber deshalb muss man ja nicht gleich alles eine Schublade stopfen oder neue erfinden. Man kann doch auch ohne weiteres als Journi schreiben, dass eine Scheibe nun mal schwer zu beschreiben oder zu erklären ist.“

Nö, sowas sollte man als Schreiberling tunlichst vermeiden. Klar wäre es im Fall der Fälle ehrlicher, aber wer gibt sich schon gern die Blöße, vor seinen Lesern zuzugeben, dass er auch keinen genauen Peil hat. „Das Letzte, was ich selbst will, ist mir Gedanken über den Namen unseres Sounds zu machen“, lacht der Taraxacum-Klampfer. „Sollen die Leute sich eben mehr als nur einen Satz ausdenken, um unser Material passend in Worte zu fassen.

Nachdem unsere nächste Scheibe auch wieder in dieselbe Richtung gehen wird, wird die Diskussion um unsere Wurzeln sicher auch vorbei sein, und die Leute werden kapieren, dass wir nicht nur zusätzlich was einheimsen wollen, sondern wirklich eine vernünftige Band mit viel Willen und Ehrgeiz am Start haben. Die Leute sollen sehen, dass wir uns nach oben arbeiten wollen und auch ordentlich Gas geben können und uns nicht nur auf unseren bisherigen Erfolgen mit anderen Bands ausruhen. Es laufen einige Verhandlungen wegen Support-Touren, doch ich als alter Pessimist möchte da gar nicht zu viel unken.

Bewunderswerte Hit-Maschine

Wenn sich etwas ergibt: Schön. Ich bin keine Hitmaschine wie Edguy-Sänger Tobi Sammet. Er ist wirklich bewundernswert: Er schreibt Songs am Fließband und alle taugen was. Ich bin in dieser Hinsicht ein ganz anderer Typ. Ich brauche mehr Zeit, um Songs zu schreiben.“ Manchmal hat es sich auch schon herausgestellt, dass es durchaus sinniger sein kann, mit mehr Material als nur einer Platte im Rücken auf Tour zu gehen. „Sicher, dennoch hat man immer total Bock auf ein Live-Gigs.

Finanziell unabhängig

Aber man muss die Situation eben nehmen wie sie kommt. Viele Bands haben sich mit neuen Projekten in die Nesseln gesetzt, weil sie sich zu sehr auf ihren Namen verlassen haben. Und ich möchte nicht, dass es uns genauso geht. Also sind wir auch bereits, eine Menge zu investieren. Ich bin Gott sei Dank in der Lage, Musik nebenbei als Hobby betreiben zu können und bin nicht finanziell von den Verkäufen unserer CDS abhängig. Heutzutage ist alles derart schnellebig und da bin ich echt froh, mit der Musik unabhängig zu sein. Ich habe meinen normalen Job als Medizin-Techniker und dadurch auch eine gewisse Sicherheit.

Durch eine solche Situation kann man natürlich auch viel ungezwungener, kreativer und mutiger agieren als wenn man absolut nur von der Musik leben müsste. Viele werden ja schon mit 16 Jahren größenwahnsinnig, weil sie Glück hatten und Erfolg. So etwas soll uns nicht passieren. Das Rockstar-Dasein als solches gibt es doch gar nicht mehr. Es ist alles harte Arbeit und eine Menge Selbstdisziplin.“ War wohl nix mit der Party-Ära. Doch wenn man allem, was man so über die `70er und `80er teilweise gehört hat, glauben kann, fragt man sich schon hin und wieder, wie derart viele Musiker diese Exzesse überleben konnten. Ist Kampftrinken auch harte Arbeit?

photocredit: http://www.metal-archives.com/images

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