Interviews

Veröffentlicht am 29.11.2015 von nemesis

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Interview Nostradameus

Bandname mit fünf Sprechsilben

Manchmal ist es schon recht witzig, wie die Mühlen des Musik-Biz arbeiten: Bands, die nichts anderes im Kopf haben als einen Deal zu bekommen, können sich keinen Millimeter weiterbewegen. Und wiederum anderen scheint das Glück absolut unerwartet in den Schoß zu fallen. Zu zweiter Kategorie gehören die vier Schweden von Nostradameus, die mit Words Of Nostradameus ihr wahrlich alles andere als schlechte Debüt vorlegten. Und die Geschichte, die Sänger und Bassist Freddy Persson zu diesem Entwicklungsprozess erzählt, ist schon recht nett:

„Eigentlich ist das alles aus purem Spaß entstanden. Nostradameus gab es damals noch gar nicht, sondern nur die Idee ein oder zwei Gigs zu spielen, um zu sehen, wie an sich vor Publikum anstellt… und natürlich, um Mucke abzufeiern. Ich fragte dann Jake (Freden, guit.), ob er samt seiner Band Bock hätte, sowas zu machen. Wir hatten nur einen einzigen Songs und spielten dazu zwei Covers von Gamma Ray.“ Die Gigs, an denen Nostradameus spielten, gingen im Rahmen eines Nachwuchswettbewerbes über die Bühne, und ein gewisser Magnus Lundbäck (High Gain Studios) war von den Jungs derart begeistert, dass er ein Demo mit ihnen aufnehmen wollte.

Ein Demo in zwei Tagen

„Das gestaltete sich natürlich ein bisschen seltsam, da wir selbst ja nur einen Song fertig hatten“, lacht der gesprächige Schwede. „ Wir haben das Demo in zwei Tagen aufgenommen und dann an fünf deutsche Labe4ls verschickt. Wir wollten echt nur spaßeshalber sehen, wie weit wir mit unserem Zeug kommen. Als dann tatsächlich Angebote kamen, waren wir dementsprechend von den Socken. Das war wie ein Traum, denn darauf hatten wir es echt nicht angelegt.“

Dass die Jungs Spaß an Heavy Underground-Sound haben, merkt man ihrer Mucke an, wobei auch einige Stimmen laut wurden, die es sich leicht machten, und Nostradameus als Hammerfall-Abklatsch abtaten. Zugegeben, der Track „Without Your Love“ passt ideal zu Hammerfall´s „Believe“ und die Gast-Vocals die HF-Sänger Joacim Cans zu „One For All, All For One“ beisteuert, tragen zu dieser Theorie natürlich auch bei. Aber passt man ein bisschen beim Zuhören auf, wird man stellenweise an weit mehr Bands erinnert, u.a. auch an Gamma Ray. Ein gut gemachtes Potpourri.

Warum nicht machen, was einem gefällt

„Ich verstehe die Vergleiche mit Hammerfall nicht so ganz, denn wir klingen insgesamt schon ein wenig hintergründiger und düsterer. Ich sehe unsere Musik eher als eine Art Tribut an den Heavy Metal. Das ist wie beim Sport: Man sieht im Fernsehen irgendeine Sportart, die einem zusagt, und im Endeffekt führt es dazu, dass man das auch machen will. Ich verstehe nicht, was daran so schlimm sein soll. Wir sind allesamt schlicht und ergreifend Metal-Fans, die genau diese Mucke machen wollen. Es ist die Mucke, die wir mögen. Also, warum sollten wir krampfhaft versuchen, etwas Neues zu erfinden?“ Leuchtet ein.

Witzig ist auch die Entstehungsgeschichte des Namens, bei dem nicht unbedingt Michel de Nostradamus Pate stand, sondern vielmehr Stratovarius, wie Freddy erzählt.

„Die erste Scheibe, die ich von den Finnen zu Ohren bekam, war Visions, wobei diese Platte sich auch zu meiner Lieblingsscheibe der Band gemausert hat. Beim letzten Song werden einige Verse von Nostradamus zitiert, und so entstand die Idee, den Namen ‚Nostradamus‘ mit zu verwurschteln. Damit es nicht haargenau gleich klingt, haben wir noch ein ‚e‘ miteingebaut. Und so haben wir jetzt auch die gleiche Anzahl an Sprechsilben wie Stratovarius, hähä.“

Dass Timo Tolkki und Co. eine gewisse Faszination auf andere Bandas ausüben, ist verständlich. Weshalb allerdings permanent auf Nostradamus herumgeritten wird,…. könnte doch leicht passieren, dass sich dieses Thema langsam mal abnudelt.

Faszination Prophezeiung

„Ich denke, die Leute können deshalb nicht von ihm loslassen, weil doch einige Ereignisse in der Vergangenheit, wie etwa die Herrschaft Hitlers, diverse Kriege usw. von ihm vorausgesagt wurden. Andererseits ist es gar nicht so einfach, seine noch folgenden Prophezeiungen zu verstehen. Man kann eine Menge hinein interpretieren, und meiner Meinung nach übt das auf die Leute schon eine gewisse Anziehungskraft aus.“ Irgendwo will ja auch jeder ein wenig philosophieren, was denn die Zukunft so mit sich bringen könnte, aber ganz genau wissen will es keiner. Zumindest nicht, wenn es bedeuten würde, dass entweder was Schlechtes auf einen zukommt oder dass man mal ein paar Veränderungen anpacken müsste.

„Die kleine Veränderung in unserem Namen, die sich auch im Titel der CD wiederfindet, bedeutet, dass es sich um unsere Visionen dreht. Wer ausschließlich über Nostradamus und seine Prophezeiungen schreibt, sollte sich wirklich verdammt gut damit auskennen, und dazu wissen wir zu wenig. Also sehen wir unsere Texte als eigene Hoffnungen und Visionen, von denen vielleicht mal ein paar Wirklichkeit werden. Leider lernen die Leute nicht aus der Geschichte, selbst wenn sie Beispiele haben, wo diese vorausgesagt wurde. Sie wollen es nicht auf die Gegenwart übertragen. Denn angeblich kann ja einer allein nichts ändern.“

Vielleicht sind ja kleine Spitzen manchmal wirkungsvoller als so manch erhobener Zeigefinger. „ Ich möchte niemanden belehren, aber jeder kann in seinem Rahmen etwas ändern und andere dazu ermutigen, etwas zu verbessern. Und Stück für Stück erweitert sich damit auch die eigene Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und mehr in Angriff zu nehmen. Aber die Menschen machen es sich nun mal gerne einfach. Wozu das oft führen kann,… naja, dafür gibt es genügend Beispiele in der Vergangenheit.“

Dann doch kein Geeier

Mit Weiterentwickeln kommen wir aber auch schon wieder auf die Musik zurück. Eines fällt bei allen potentiellen Vergleichen nämlich auf: Der Gesang bei Nostradameus ist um einiges geradliniger als bei anderen Bands.

„Ich habe immer geübt, um dieses Vibrato beim Gesang hinzubekommen, und als ich es konnte, habe ich nur noch herumgeeiert. Bis dann Jake meinte, ich solle doch geradliniger singen. Gerade bei Passagen, in denen man einen Ton lange halten muss, ist es mit Vibrato oft einfacher. Aber mittlerweile setze ich es nur noch ein , wenn ich denke, dass es zum Song passt. Dadurch klingt der Sound von Nostradameus weniger heroisch als bei anderen Bands. Ich singe jetzt mit meiner eigenen Stimme. Wir haben nebenbei noch eine Cover-Band für Hardrock der `70er und `80er. Manche Songs sind mir da einfach zu hoch.

Aber anstatt mir zwei Minuten die Stimmbänder bis zum Gehtnichtmehr zu quetschen und rumzukieksen, um dann drei Stunden gar nicht mehr singen zu können, spielen wie die Songs einfach ein bisschen tiefer.“ Vernünftiger Bursche,…. und noch dazu einer der Schweden, die auch wirklich bei Interviews den Mund aufbekommen und was zu erzählen haben.

photocredit: http://www.metal-archives.com/bands/Nostradameus/2308

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