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Veröffentlicht am 12.10.2015 von nemesis

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Interview Majestic

Majestic zu Trinity Overture – Neo-Independent

Galten die Schweden um Keyboarder und Bandkopf Richard Andersson mit ihrem Debut noch als hoffnungsvolle Newcomer-Band im Neo-Classical-Bereich, dürfte Richard, diesmal mit teils neuer Besetzung einigen Größen dieser Szene mit der Platte Trinity Overture gewaltig den Rang ablaufen. Sänger Jonas Blum ist nicht mehr mit von der Partie, an seiner Stelle schmettert nun Apollo. Aber mal ganz zu Anfang: Das Intro der Scheibe, „Entering The Arena“ erinnert schon fatal an Yngwie Malmsteen´s „Rising Force“.

Aus Versehen gemobbst

„Echt?“, kommt es ungläubig von Richard. „Ist mir gar nicht aufgefallen. Geklaut haben wir jedenfalls nichts“, lacht der Musiker. „Ich habe keine Ahnung, wieso das passiert ist. Die Gitarren sind bei diesem Stück sehr basic-mäßig gehalten, vielleicht kommt das Thema deshalb so bekannt rüber.“ Mag schon sein und im Endeffekt ist es ja auch wurscht. Als die Schweden mit Pretty Maids unterwegs waren, wurden einige Stimmen nach den Shows laut, die Band hätte Ronnie Atkins und Co. in Sachen Lautstärke eindeutig den Rang abgelaufen.

Live als Belohnung

„Wir hatten auf dieser Tour keinen eigenen Mischer. Diese Konzerte waren die ersten Live-Erfahrungen mit der kompletten Band überhaupt und es hat irrsinnig viel Spaß gemacht. Das ist wie so ein Stückchen Erfolg nach der Buckelei im Studio. In Frankreich haben wir mit Nothing To Say auch ein eigenes Label für diesen Bereich. Nachdem »Trinity Overture« erst relativ spät in diesem Jahr herausgekommen ist, sieht es mit den Festivals natürlich mau aus.“ Viele vergleichen Trinity… mit einigen Malmsteen-Sachen und Meister Yngwie kommt bei diesem Vergleich gar nicht so gut weg.

Eine Geschichte von 100 Jahren

„Ich habe nicht so viele Reviews zu dieser Scheibe gelesen. Ich finde Yngwie´s letzte Platte ziemlich düster und die Produktion nicht so toll. Vielleicht hat er das Album selbst abgemischt.“ Äh, ja. Gerade zu Yngwie kann Richard aber auch noch eine kleine Anekdote erzählen, sollte Richard doch mal irgendwie mit Yngwie zusammenarbeiten und landete so in Malmsteen´s Wahlheimat, den Staaten. „Yngwie ist mit seinem schwarzen Ferrari herumgekurvt und wollte mir die Geschichte der USA anhand eines Schlosses zeigen. Das Ding war vielleicht gerade einmal hundert Jahre alt. Da musste ich schon grinsen. Neben meinem Haus in Schweden steht eine Kirche, die an die tausend Jahre alt ist. Das ist Geschichte. Die USA haben jedenfalls keine.“

Keine Basis, nur Trends

Gelten nicht mal die Hamburger? „Wenn sie die überhaupt selbst erfunden haben. Den einzigen geschichtlichen Hintergrund, den dieses Land hat, ist der der Indianer. Die USA sind immer die Nummer Eins, wenn es darum geht, neue und teilweise auch unnütze Trends in die Welt zu setzen. Coca Cola, Mc Donald´s. No basics, just trends. In Spanien gibt es zum Beispiel Weinfeste, die seit hunderten von Jahren stattfinden. Deutschlang hat eine Menge großer Komponisten. Und was haben die Staaten? Hollywood. Supi.“ Richard interessiert sich also nicht nur für Musik, sondern kann schon sehr früh mit der Geschichte der Menschheit und fremden Kulturen in Berührung.

„Meine Mutter war Geschichtslehrerin und wir sind viel in der Gegend herumgereist. Ich selbst habe auch ein sehr reges Interesse an all diesen Dingen und Ereignissen. In dieser Hinsicht pappe ich auch oft am Fernseher, aber in Bezug auf Dokumentationen als auf Filme.“ Wenn der Tastenzauberer die Welt eh schon so gut kennt, könnte er uns eigentlich einmal verraten, wo Majestic denn bei der bereits angesprochenen Tour am besten ankamen.

Wenn der Musikus flüchtet

„Der beste Markt für uns ist überall, aber nicht in Schweden. Bei Live-Konzerten stehen die Leute aus meinem Heimatland nur da, klatschen hin und wieder mit, aber von mitsingen und Party nicht die Spur. Die sind still und flüstern höchstens mal.“ Im Gegensatz zu Richards beiden kleinen Rabauken, denn Tochter und Sohn krähen gerade abwechselnd im Hintergrund um die Wette: Das eine Kind hat Hunger, das andere will nicht ins Bett. Verständlich, dass Richard da manchmal Reißaus nimmt und durch die Landschaft joggt.

„Dabei bekomme ich immer eine Menge Ideen für Songs. Ich habe die Stücke in meinem Kopf immer fertig und gehe sie dann beim Laufen durch. Wenn eine schnellere Passage kommt, renn` ich mir wieder die Seele aus dem Leib. Ganz witzig ist es auch, wenn ich mit Freunden abends unterwegs bin und mir eine Melodie einfällt. Ich habe dann ja keine Möglichkeit, sie irgendwie festzuhalten. Also rufe ich in solchen Fällen bei mir zuhause an und singe meine Ideen auf den Anrufbeantworter. Anders geht es nicht, denn mit Noten und dem ganzen Kram komme ich nicht so klar. Ich kann das Zeug weder anständig schreiben noch lesen.“ Wer´s glaubt.


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