Interviews

Veröffentlicht am 18.01.2016 von nemesis

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Interview GB Arts

 

Auf Wolke sieben mit Scully und Mulder…

…befanden sich die Prog Underground Metaller von GB Arts. So ungefähr. Kein Wunder, freute sich doch die einschlägige Presse total über deren zweiten Output The Lake. Leider sollte es auch der Letzte bis dato bleiben und auch die Band ist wirklich unterbewertet. Ein Schmankerl also sozusagen. Nach eigener Aussage war die Band auch total heiß auf die Reaktionen, hatte man doch selbst, wenn man in erster Linie immer nur vor sich hinarbeitet auch nicht mehr so den objektiven Bezug zu einer Sache. In Form eines Konzeptalbums hatten die Jungs eine ganze Menge feiner Ideen, effektvoller Umsetzung und insgesamt einfach klasse Songs an den Star gebracht.

Das Storyboard

Keyboarder Andreas Beckmann gab im Zuge dessen ein wenig Einblick in die recht strange Story von The Lake: „Unser alter Sänger Achim Reichert hatte schon immer einen Hang zu Fantasy- und Science Fiction-Stories. Er hat auch die Grund-Geschichte zu The Lake“geschrieben. In der Story geht es um einen See in Süden der USA. Dieser See ist eigentlich ein außerirdisches Wesen, dass Leute an sich zieht, sie tötet, unterirdisch einlagert und wieder zum Leben erweckt. Im Endeffekt lebt dieses Wesen von den Autobiographien der Menschen. Manchen dieser Personen gelingt die Flucht, doch fehlt ihnen eben nun die gesamte Erinnerung an ihr Leben.

Diese Leute suchen einen Psychologen auf, der ihnen bei der Suche nach ihrer Vergangenheit helfen soll. Nachdem sich diese Vorfälle eben in dieser Gegend häufen, will der Arzt mit ein paar Helfern der Sache auf den Grund gehen.“ Hätte es nicht schon eine Akte X-Folge gegeben, in der ein Monster-Schwammerl unter der Erde Menschen gefangen hält, ihnen Halluzinationen aufbrummt und irgendwie um die Ecke bringt, wäre das sicher eine saubere Geschichte für Scully und Mulder. Allerdings war die Herausforderung für GB Arts weniger, sich bei den Akte X-Machern zu bewerben, sondern die Gestaltung der ganzen Angelegenheit.

Arbeitsprozess mal andersrum

„Bis zu diesem Album hatten wir immer erste die Songs und dann die Texte geschrieben. Diesmal hatten wir ja erst die Story und Lyrics, und es war schon eine ungewohnte Sache, die Musik um dieses Thema zu schreiben. Aber eben auch eine Herausforderung. Außergewöhnliche Strukturen, die die Dramatik und auch Spannung richtig umzusetzen, passende Effekte,… aber genau das sollte eigentlich progressive Musik ausmachen: Nicht der technische Aspekt, sondern sich Freiräume zu schaffen, sich musikalisch nicht einengen zu lassen und aus Grenzen auszubrechen.

Jeder sollte das machen, wozu er sich hingezogen fühlt, Bands sollten sich entfalten können und nicht auf einer Scheibe mit jedem Song stur einer Struktur oder Richtung folgen, nur weil es die Hörer so erwarten. Warum kann nicht ein Track proggiger sein, der andere aus der Melodic Rock-Ecke etc.? Viele Bands lassen sich in dieser Hinsicht manipulieren. Musik sollte wie ein Abenteuer mit Entdeckungen sein, nicht wie ein Katalogschema.“ Es stimmt schon: Manche Platten sind schon vorhersehbar, kennt man die ersten Songs kann man oft schon die nächsten vorausahnen.

Stop copy!!

Andreas` Einstellung zu Prog-Metal sollte aber nicht bedeuten, dass er Vertreter dieser Szene ablehnt, im Gegenteil. „Dream Theater zum Beispiel sind begnadete Musiker. Aber man sollte solche Combos als Inspiration nutzen und nicht versuchen, sie zu kopieren. Man kann aus Ideen, die einem andere liefern, immer etwas Eigenes machen. Auch in der klassischen Musik ließ sich ein Künstler vom anderen inspirieren, aber am Ende kamen doch stets unterschiedliche Dinge heraus. Im kommerziellen Musikbereich geht hinsichtlich dieser Selbstentfaltung eher wenig, die Möglichkeiten sind begrenzt. Aber im Metal-Genre und besonders im Underground sind doch noch einige Freiräume vorhanden.“

Der Unterschied rührt nach der Meinung des Keyboarders auch aus den verschiedenen Einstellungen der Hörer: „Die Leute lassen sich zumeist nur noch auf Sachen ein, bei denen sie von vornherein genau wissen, was sie bekommen. Die Bereitschaft, etwas Neues zu entdecken, ist sehr gering. Auch hier ist der Abenteuergeist der Menschen sehr gering. Besonders was den Popmusik-Bereich betrifft.“ Nun, vielleicht ist eben jener steigende technische Anspruch und auch diese gewisse Eigenheit der verschiedenen Metal-Stile der Grund für manches Vorurteil dieser Musik gegenüber.

„Erstes eventuell das, und zweitens ist die Plattform für diese Art von Musik nach wie vor einfach zu klein. Was der Bauer nicht kennt, frisst er eben nicht.“ Diese Entwicklung macht sich aber auch bei den sogenannten eingefleischten Musikfans selbst deutlich. Guckt man mal in diverse Clubs, erkennt man recht schnell, wie unaufgeschlossen die Leute sind. AC/DC, Journey, Rammstein und, wenn es um melodiös-härtere Bands wie Stratovarius oder Pretty Maids, Iggy Pop, The Doors geht, auch nur die alten, teils schon abgeleierten Kalauer sind gefragt. Etwa nur bekannte Tracks wie etwa „Glorybox“ von Portishead. Ein Song, der weniger als vier Jahre auf den Buckel hat, muss schon in die Charts einsteigen, um auch beim breiteren Rockpublikum anzukommen. „Diese Leute sind einfach total verbohrt. Das Schlimme an der Sache ist aber auch, dass gerade diesen Konsumenten selbst eine Menge entgeht: Musik, die ihnen vielleicht wirklich etwas geben könnte.“

Alben

Return To Forever
The Lake

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