Interviews

Veröffentlicht am 15.11.2015 von nemesis

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Interview Devin Townsend/ Strapping Young Lad

Devin Townsend über Infinity – wie male ich einen Song

Als das Multitalent seine CD Infinity veröffentlichte, stand die Presse allerseits ziemlich Kopf. Stilmäßig nicht so ganz einzuordnen, doch mit einen ganzen Wust an Ideen, glänzt Infinity vor allem durch die aufgebotene Kreativität und die interessanten Soundverknüpfungen. Zu dem kommt, dass Devin Townsend ein wahrer musikalischer Irrwisch ist, der eigentlich immer etwas zu tun braucht, und unter anderem bereits mit so illustren Leuten wie Steve Vaughn und Jason Newstedt (Metallica) zusammengearbeitet hat.

Als zu diesem Schmuckstück an CD die Möglichkeit bestand, ein Interview mit Devin zu führen, konnten und wollten wir natürlich nicht nein sagen,…..wobei der Gute allerdings alles andere als topfit, also sprich eher hundsmüd`, über den Teich quatschte.

Der Einfluss von allem

Red: Erstmal zu Deiner neuen Scheibe „Infinty“. Sie verknüpft einen ganzen Haufen an Sounds und „Farben“. Woher kommen diese ganzen Ideen?
D.T.: Ich denke, meine Einflüsse bestehen vor allem daraus, zu leben. Alles, was man so erlebt…..Traurigkeit, fröhlich sein. Da kommt einiges zusammen.

Red: Du hast geäußert, dass Du das Gefühl hattest, verrückt zu werden, als du an Infinity gearbeitet hast. War das echt so daneben?
D.T.: Oh ja. Diese Scheibe war wirklich schwer auf die Beine zu stellen. Ich habe ja alles selbst gemacht. Die Produktion, die Abmischung, Songwriting,….

Red: Dann würdest Du Dich wohl auch getrost als Perfektionisten beschreiben, oder?
D.T.: Ja. Ich denke, das hilft der Musik, denn sie verliert auf diese Weise nichts. Es ist nicht einfach, über Infinity zu reden, denn alles Wichtige ist in der Musik selbst. Es war wirklich verdammt harte Arbeit, das alles unter einen Hut zu bringen.

Ein automatischer Fluss

Red: Ich hätte da mal eine grundsätzliche Frage zu deinen Texten. Hast Du vorher bestimmte Ideen oder stimmst du sie auf den jeweiligen Sound ab?
D.T.: Die hängen eigentlich von der Musik ab. Das entsteht alles gemeinsam und wenn ich Songs schreibe, kommen die Lyrics automatisch dazu. Ich schreibe dann die Textstellen auf, die mir einfallen, während ich die Songs spiele, und so wird das ganze komplett. Das ist nicht unbedingt er gängige Weg, aber seit ich Musik mache, und das ist schon einige Zeit, kommt das alles von allein.

Musik sehen

Red: Du hast deine Scheibe, Ocean Machine, mit den Attributen blau und weit versehen. Welche Farbe würdest du Infinity geben?
D.T.: „Infinity ist weiß. Ich habe Musik immer als Farbe gesehen….“Ocean Machine“ ist blau, Strapping Young Lad ist rot, und ich habe ein neues Projekt in der Mache, das wird grau. Aber weiß ist die Verbindung aller Farben. Und bei „Infinity“ kam alles zur gleichen Zeit zusammen. Ein wunderschönes Chaos.

Red: Dein Mentor, der mitverantwortlich für Deinen Aufstieg war, ist Steve Vaughn. Wie bist du an ihn gekommen?
D.T.: Nachdem ich ein Demo an „seine“ Plattenfirma weitergegeben hatte, fragte er mich, ob ich mit ihm zusammenarbeiten würde. Tja, und das haben wir dann ja auch.

Angst vor der eigenen Meinung

Red: Mal `ne ganz andere Frage. Du hast mal losgelassen, die Leute würden sich ihre Meinung von den Medien etc. diktieren lassen. Worin siehst du den Grund dafür?
D.T.: Ich denke, die Menschen haben Angst, ihre eigene Meinung zu haben und zu vertreten. Sie fühlen sich sicherer, wenn sie eine Einstellung vertreten, mit der sie nicht allein dastehen. Ich wollte zum Beispiel mit Infinity aus diesen Vorstellungen ausbrechen und habe das gemacht, was ich für gut hielt. So sollte man das auch machen.

Red: Inwifern hast du denn eigentlich zum Zeitpunkt dieses Scheibchens noch mit den Musikern von Strapping Young Lad zusammen gearbeitet? Oder: Überhaupt?
D.T.: Im großen und ganzen schon.
Red: Warum hast die dann den Namen geändert, bzw, warum wurden die SYL-Alben nicht auch unter deinen Namen veröffentlicht?
D.T.: Der Sound ist ziemlich heavy, und die Leute, denen mein Name bereits ein Begriff war, hätten derartige Scheiben nicht erwartet. Und so wollte ich meinen eigenen Stil und den von SYL etwas getrennt halten.

Gemeinsame Sache mit Jason Newstedt

Red: Du hast an einem Projekt mit dem Namen IR 8 mit Metallica`s Jason Newstedt mitgewirkt, Was ist daraus geworden?
D.T.: Wir haben vier Projekte miteinander gemacht. Und wir planen, weiter zusammen zu arbeiten. Er ist ein guter Freund von mir und wir können gut miteinander arbeiten.

Red: Wenn wir schon dabei sind: Was hast du denn von den Metallica-Teilen Load und Reload gehalten?
D.T.: Es scheint sich für die Band auszuzahlen. Es interessiert mich nicht wirklich. Überhaupt interessiert mich nicht viel Musik außer meiner eigenen.

Red: Welchen Sound bevorzugst du?
D.T.: Meinen (grins). Etwas Klassik und neuere Bands……ich arbeite sehr viel an meiner Musik, und da bleibt mir oft auch gar nicht die Zeit, mich mit den Sounds um mich herum zu beschäftigen. Ich denke, diese Einstellung hat im Prinzip jeder Musiker. Und wenn man seine eigene Musik nicht leiden kann, kann sich selbst auch nicht leiden. Ich habe auch keine bestimmten Ziele. Ich möchte einfach nur Musik machen. Diese Einstellung bewahrt einen vor Enttäuschungen, denn man erwartet nichts.

Hier der Überblick seines Schaffens

Solo-Alben

1996: Cooked on Phonics (als Punky Brüster)
1997: Ocean Machine: Biomech
1998: Infinity
2000: Physicist
2001: Terria
2003: Accelerated Evolution (als The Devin Townsend Band)
2004: Devlab
2006: Synchestra (als The Devin Townsend Band)
2006: The Hummer
2007: Ziltoid the Omniscient
2009: Ki (als Devin Townsend Project)
2009: Addicted (als Devin Townsend Project)
2011: Deconstruction (als Devin Townsend Project)
2011: Ghost (als Devin Townsend Project)
2012: Epicloud (als Devin Townsend Project)
2014: Casualties of Cool (als Casualties of Cool)
2014: Z²

Sonstige Solo-Veröffentlichungen

1998: Christeen + 4 Demos
1999: Official Bootleg
2000: Ass-Sordid Demos
2004: Ass-Sordid Demos 2
2011: Contain Us
2012: By A Thread – Live In London 2011 (5-CD- / 4-DVD-Boxset)

Als Gastsänger oder Gitarrist

1993: Steve Vai – Sex And Religion (Gesang)
1994: Front Line Assembly – Millennium (Gitarre)
1995: Front Line Assembly – Hard Wired (Gitarre)
1996: Working Man – A Rush Tribute (Gesang)
1996: James Murphy – Convergence (Gesang)
1998: The Wildhearts – Anarchic Airwaves (Gitarre)
2002: Soilwork – Natural Born Chaos (Gesang)
2004: Ayreon – The Human Equation (Gesang)
2006: GWAR – Beyond Hell (Gesang)
2011: Bent Sea – Noistalgia (Bass)

Als Produzent

1996: Stuck Mojo – Pigwalk
1997: Zimmers Hole – Bound by Fire
2001: Stuck Mojo – Violate This
2002: Zimmers Hole – Legion of Flames
2002: Soilwork – Natural Born Chaos
2003: Lamb Of God – As The Palaces Burn
2004: Misery Signals – Of Malice And The Magnum Heart
2006: GWAR – Beyond Hell
2007: Darkest Hour – Deliver Us
2007: Savannah – The Road to…
2007: Soilwork – Sworn to a Great Divide
2008: Zimmers Hole – When You Were Shouting At The Devil… We Were In League With Satan
2008: Misery Signals – Controller
2008: Bleeding Through – Declaration
2008: Becoming the Archetype – Dichotomy
2009: Sights & Sounds – Monolith
2011: Bent Sea – Noistalgia

photocredit: By AramisFI (Own work) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

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