Interviews

Veröffentlicht am 20.01.2016 von nemesis

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Blackend über The Last Thing Undone

Das Dilemma der Thrash-Szene

Mit The Last Thing Undone, dem dritten Scheibchen der deutschen Thrash Undergroundler Blackend, kamen auch mal wieder andere Heavy-Fans als Anhänger truer und proggiger Klänge auf ihre Kosten. Was in den Augen von Basser Mario Unterhuber viel zu selten der Fall ist und zu diesem Zeitpunkt definitiv war. Aber dazu später mehr. Wer erwartet hatte, Mario würde als ‘würdiger’ Vertreter der Metal-Szene auch dementsprechende Mucke hören, würfte allerdings enttäuscht gewesen sein.

Wo ist der ganze Thrash hin?

„Mit den neueren Sachen, die die Metal-Szene so zu bieten hat, kann ich ehrlich gesagt nicht anfangen. Ich halte mich, wenn es um Musikhören geht, eher an die Alternative- und Gitarren-Pop-Schiene.“ Nahm man in dieser Zeit die Metal-Szene genauer unter die Lupe, ist dort auch nicht mehr allzu viel mit Thrash am Start. Und die, die es mal konnten, hatten es verlernt. Aber Gottlob hat sich das ja wieder geändert und man denke dabei auch an die Chartplatzierung von Slayer auf Platz Eins im vergangenen Jahr. Die Thrasher können sich also echt nicht mehr beschweren.

„Der Thrash-Metal ist ohne Zweifel gegenüber Death, Black und teils auch True Metal ins Hintertreffen gelangt, ohne Frage. Wenn ich so nachdenke, was in dieser Richtung in den letzten Jahren kam, fallen mir eigentlich nur Destruction ein. Der Sound dieser Band ist aber nicht so meine Baustelle, zu old-school-lastig. Ich bevorzuge im Thrash die melodische Schiene, wie etwa die alten Metallica-Sachen. Es sollte einfach anspruchsvoll sein.“

Nicht selten braucht´s Vorläufer

Da beißt´s halt schon aus, denn wie erklärt man einen weniger bewanderten Rockfan, der der Meinung ist, Thrash sei reines Geprügel, dass dem bei den richtigen Bands nicht so ist. „Klar, diese Vorurteile gibt es immer. Doch ich denke, wer sich mit Metal und Underground an sich ein wenig auseinandersetzt, weiß was gemeint ist.“ So wie Hammerfall anno 1997 einen True Metal-Boom ausgelöst haben, hätte man auch meinen können, dass nach dem Release des letzten, absolut gigantischen Testaments-Scheibchen auch hier ein paar Bands aus dem Boden sprießen. Doch außer Enola Gay, die aber auch schon länger dabei sind, kam eigentlich kaum erstmal was. Vorläufig.

„Ich war auch der Meinung, dass gerade durch die Testament-Platte The Gathering und deren Erfolg ein paar neue Combos aus dem Quark kommen würden“, ab der Basser zu. „Aber wie man sieht: Dem war wohl zuerst nicht so.“ Wandern dann auch noch Genre-Größen wie Metallica ab, animiert das nachfolgende junge Bands dazu, sich dieser Mucke zu verschreiben. „Ich fand die neuen Songs oder besser, die der neueren Schiene von Metallica schon auch gut, an alte Klassiker wie Master Of Puppets und dergleichen kommt das Material schon ewig nicht mehr heran. Würden sie wieder in die alte Schiene zurückkehren, wäre das sicher gut für die Metal-Szene. Es würde sich aber auch die Frage stellen, wie lange sie dann dabei bleiben. Metallica sind einfach Mainstream geworden.“

Allgemeine Irrtümer und Unwissen

Wie Mario bereits angesprochen hat, verfielen diverse Thrash-Bands der leicht einseitigen Power. Doch wie stellt man es an, die richtige Mischung aus Härte und Melodie zu finden? „Ich kann nur für uns sprechen, und hier läuft es so, dass einer, meistens unser Gitarrist Manuel (Marios Bruder) ein Song-Thema hat. Entweder, dieses Thema trägt den Songverlauf bereits in sich oder wir arbeiten gemeinsam aus, wie der Song und die Melodie am besten kommt: Als Knaller, als Midtempo-Song… wie auch immer. Die Halb-Ballade ‚Darkest Day‘, der langsamste Song, den wir bisher geschrieben haben, war durch das Riff von vornherein festgelegt. Natürlich sollte man auch auf Abwechslung achten und nicht nur ein festgelegtes Schema durchziehen, sobald man einen Song in einer bestimmten Richtung sieht.“

Sieht man mal von Ausnahmen wie Maiden´s Steve Harris ab, gilt der Basser in der Band meist als faule Socke, die außer Grundton-Mitgezupfe selten etwas zu bieten hat. Die Prog-Szene ausgenommen. Manche Hörer wissen oft nicht mal, wie ein Bass überhaupt klingt (nicht lachen, hatten wir alles schon). „Viele sind der Meinung, Bass spielen sei leichter als Gitarre, doch es kommt schlicht darauf an, was man daraus macht. Ebenso ist es von der Rolle des Bassers in der Band abhängig.“ Dass man besonders bei abgehakten, staccato-haften Songs, wie sie im Thrash doch recht häufig zu finden sind, als Basser fit sein sollte, liegt also eigentlich auf der Hand.

Überlegt man sich aber, mit welchen Songs die meisten Instrumenten-Neulinge, sei es nun mit Lehrer oder als Autodidakt, beginnen, bleibt als Basis für anspruchsvolles Spielen meist nur der eigene Ehrgeiz, weniger die mainstreamigen Songs, die man zum Nachspielen vorgesetzt bekommt. „Stimmt, die meisten Mainstream-Basser haben nicht viel zu tun. Durch solche Bespiele lernt der Nachwuchs nur wenig hinsichtlich kreativen Songwritings. Ich selbst beschäftige mich gar nicht mehr mit Tabulaturen aus diversen Songbooks, da die meisten wirklich simpel gehalten sind.“

Neben dem Tieftöner beherrscht Mario auch Rumhauen und Sägen, zu Deutsch: „Drums und Gitarre. Mein Bruder und ich haben noch eine andere Band, Supervision, am Start. Dort habe ich erst mal die Drums versorgt, bin aber jetzt auch beim Bass gelandet. Fürs Songwriting ist allerdings die Klampfe besser geeignet, insofern schnappe ich mir meistens die Gitarre, Mit dieser Band geht´s eher in die Emmo-Richtung, Gitarren-Pop also.“ Untreu wurden Blackend der Metal-Szene deswegen aber sicher nicht.

Discographie

  • Contrast of Minds
  • Sloth
  • Blackend – Loonatikk
  • Mental. Game. Messiah.
  • The Last Thing

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