Bands

Veröffentlicht am 17.09.2015 von nemesis

0

Interview Chrome Shift

Underground-Individualisten

Dänemark bringt zwar nicht Unmengen an Rock- und Heavy- bzw Underground-Bands zum Vorschein, doch wenn, dann richtig. So auch im Falle Chrome Shift, die sich mit ihrem Debut Ripples In Time einen ganzen Haufen der Rock- und Metalgilde von Melodic bis Power schnappen dürften und sich thematisch absolut in die Underground-Szene, was diese Bezeichnung ja ausmacht, einreihen.

Ein bisschen Prog, viel Kraft, tolle Melodien,…. Eine rundherum tolle Scheibe. Gitarrist Otto Schütt bezeichnet die Band als eine Gruppe sehr extremer Individualisten – die haben sich vor eineinhalb Jahren dazu entschlossen, einige Aufnahmen, die bisher nur als Proberaummitschnitte vorhanden waren, als richtige Scheibe herauszubringen.

Mehr Demo denn Album

„In erster Linie für uns selbst und unser engeres Umfeld. Die besten Stücke wollten wir auch für Demos verwenden, um das eine oder andere lokale Konzert oder Festival spielen zu können. Weiter haben wir gar nicht gedacht“, erzählt der sympathische Musikus. „Zudem existiert hier in Dänemark kaum Publikum für diese Art von Musik – in Deutschland und den USA läuft das ganz andres und ist mit Dänemark gar nicht zu vergleichen. Auch international haben wir uns keine großen Chancen ausgerechnet, da es so viele Band unterschiedlichster Stilrichtungen gibt. Und die Qualität ist auch nicht ohne bei den meisten.“ In einem kleinen Studio haben die Jungs dann die Songs verewigt – in zehn Tagen, mehr Geld stand nicht zur Verfügung. „Eigentlich ist Ripples In Time in vielerlei Hinsicht ein Demo – zumindest, was die Aufnahmebedingungen betrifft. Vieles ist kaum so realisiert, wie wir es gerne hätten. Ohne unser Wissen schickte Jakob Hansen, unser Engineer und Producer, eine Kopie an Intromental Management – aus lauter Begeisterung. Schon am nächsten Tag kam von dort ein Anruf und innerhalb eines Monats hatten wir einen Plattenvertrag mit DVS. Wir waren wirklich überrascht. Es erschien einfach alles so irreal.“

Der Underground bietet mehr Möglichkeiten der Entfaltung

Die Verwunderung kann man irgendwie schon verstehen, andererseits hat die Band mit ihrem Können und Material diesen Deal auch verdient. „Wir werden jetzt aber nicht durchdrehen und den Traum vom großen Rockstar hegen“, witzelt Otto. Er ist auch der Meinung, dass die Underground-Heavy-Szene nicht nur viel, sondern auch viel Kreatives zu bieten hat. „Ich finde für meinen Teil jedes Jahr wieder neue Meisterwerke, die meinen Geschmack treffen. Viele Combos klingen sicher ähnlich, wenn man zum Beispiel mal den engeren Prog-Bereich heranzieht. Reelle Experimente in der Orchestrierung sind äußerst selten. Das traurigste Exempel ist Dream Theater , das sich auf den letzten 2-3 Alben andauernd selbst kopiert hat. So etwas entspringt sicher dem ökonomischen Erfolgsdruck. Chrome Shift bestehen aus sehr verschiedenartigen musischen Willen: die Songs, der Sound, die Texte, egal wer das Material in Band einbringt, muss sich der ‚Bearbeitung’ der anderen unterziehen. Alles, ganz einfach alles wird diskutiert, an allem herumexperimentiert.” Eine Sache, die sich aber gelohnt hat.

Musik muss vielschichtig sein

„Das Wichtigste an der Musik ist für mich, dass sie nicht nur einseitig unterwegs ist. Also nicht nur was zum Denken, zum Fühlen oder nur zum Tanzen ist. Ich finde, Musik sollte das alles zusammen ansprechen. Melodien, Lyrics, Rhythmus und Harmonien müssen eine Einheit bilden. Aus welcher Ecke diese Einheit entspringt, womit man schließlich angefangen hat, ist dann am Ende egal. Es passiert aber auch, das ein Zitat, ein Wortbild, ein Satz oder ein Gedicht den Ausgangspunkt einer Komposition bildet. Trotz aller vermeintlichen Unterschiede sind wir uns aber darin einig, Musik zu machen, die unserem Bandnamen entspricht:

Unser Sound wechselt ständig – von Song zu Song, oft sogar innerhalb eines Stückes. Es ist, als würde man eine Chromkugel betrachten: Es gibt einen hohen Wiedererkennungswert, aber ebenso viele Punkte Unsicherheit und Verzerrung. Als Hörer kann man eigentlich nie vorab sagen, in welche Richtung sich eines unserer Stücke weiterentwickeln wird. Hier spiegeln sich fünf starke musikalische Überzeugungen.“

Kein Mediendruck erwünscht

Während das Herz des Künstler ohne Frage stark an der Musik hängt, hat er von anderen Dingen abgeschworen: „Ich habe Fernseher und Internet bei mir abgeschafft. Dieser ganze Medienterror wurde mir zu viel. Wir leben in einer Gesellschaft, in der der ökonomische Erfolgsdruck sogar Kriege legitimiert. Und so ist überall in der Gesellschaft Krieg des Einen gegen den Anderen – die Realisierungsangst beherrscht nach und nach jedes Individuum. Das gilt natürlich auch für die gesamte Musikkultur.

Hier äußert sich das dann als konstanter Zwang zur Innovation, zum nie vorher Dagewesenen. Wie soll man dagegen angehen, keine Chance. Die Verteidiger dieses Systems behaupten ein ums andere Mal, dass Konkurrenz das ‚Geschäft belebt’ oder anders gesagt: Qualität hervorzaubert. Das Darwinsche System. Da ist es oft schwer zu sehen, ob die Begierde nach jeglicher Form von ‚Profit’ oder der Drang nach künstlerischem Ausdruck den Motor der Sache ausmachen.

Der Begriff ’Kunst’ ist ja so eine wackelige Sache. Für mich als Musiker gehört da eine gehörige Portion an Kunsthandwerk dazu – und bis man das hat, hat man seine ’Unschuld’ meist schon lange an den Zuhörer und die Industrie verloren.”

 

photocredit: http://www.metal-archives.com/bands/Chrome_Shift/4531

Tags: , , ,


About the Author



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top ↑
  • Aktuelle Artikel

  • PARADOX Musikmagazin

  • Newsletter

    Trage ich hier in unsere Newsletter ein und bekomme von uns immer alle Szene-News aus erster Hand!

  • Monatsübersicht